Geschichte der philippinischen Kampfkünste

Der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan umsegelte im 16. Jahrhundert, im Auftrag der spanischen Krone, die Welt, um neue Handelsrouten und -quellen zu erkunden. Am 16. März 1521 landete er auf der Insel Zamal (Samar), die Teil einer Inselgruppe ist, die später nach dem spanischen König Philipp II Philippinen benannt wurde. Magellan und seine Leute erkundeten viele der umliegenden Inseln und wurden freundlich und mit großer Hochachtung empfangen und gut versorgt. Ein Häuptling namens Lapu-Lapu verweigerte jedoch seine Ehrerbietung und die Entrichtung von Abgaben. Magellan entschloss sich ein Exempel zu statuieren und die Insel mit militärischen Mitteln einzunehmen. Am 27. April 1521 erreichten die drei Schiffe Magellans die Insel Mactan. Die Spanier, in ihren schweren Rüstungen, kamen bei der Landung im knietiefen Wasser nur unter großen Mühen voran. Die Eingeborenen hatten sie bereits erwartet und attackierten die Eindringlinge mit Speeren und Pfeilen. Die Schlacht endete in einem totalen Desaster für die Spanier; Magellan starb beim Eroberungsversuch.

 

Lediglich ein Schiff der Expedition kehrte nach Spanien zurück, wo es am 6. September 1522 seine historische Reise beendete. Dies war die erste bekannte Weltumsegelung. Magellans Tod und der Sieg über die Spanier machten Lapu-Lapu zum ersten Guerilla und Helden der philippinischen Kriegsgeschichte. Die Schlacht um Mactan und die genauen Umstände von Magellans Tod sind durch seinen Schiffschreiber Antonio Pigafetta detailliert niedergeschrieben und bis heute in zahlreichen Büchern erhalten. Trotz des historischen Sieges über die Spanier gelangten die Philippinen 1542 unter spanische Herrschaft, die bis ins späte 19. Jahrhundert andauerte. Am Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich um Dr. Jose Rizal und seinen Freund Andreas Bonfacio eine Widerstandsgruppe gegen die spanische Vormachtstellung.

 

Die Bewegung wurde „Ang Kataastaasan Kagalanggalagang Katipuan ng Anak ng Bayan" (höchst ehrbare Vereinigung der Söhne der Nation) abgekürzt „Katipua" oder auch „3 K" genannt. Die Bewegung fügte den Spaniern enorme Verluste zu und war ein Meilenstein in der philippinischen Geschichte. Diese Ereignisse sind auch in der Nationalflagge verewigt worden. Die drei Ecken des weißen Dreiecks symbolisieren die „3 K" der Widerstandsbewegung; die 8 Sonnen stehen für die ersten 8 Provinzen, die sich gegen die Spanier erhoben haben.

 

Der Untergang des US-amerikanischen Kriegsschiffes „Maine" in der Nähe von Kuba löste 1898 den sog. spanisch-amerikanischen Krieg aus. Daraufhin mussten Spanien die Philippinen und weitere Ländereien an die Amerikaner abtreten. Dies brachte den Philippinen jedoch nicht die Unabhängigkeit, sondern nur eine neue Vormachtnation. Am 24 August 1898 löste ziviler Ungehorsam eine Revolution aus. US-General John Pershing führte seine Truppen 4 Jahre lang in einem Krieg, bis die Rebellen aufgaben. Lediglich die moslemischen Moro der südlichen Philippinen hörten nie auf die Amerikaner anzugreifen, noch akzeptierten sie die Vormachtstellung der Amerikaner. Durch zahllose Angriffe furchtloser, nur mit einem Schwert bewaffneter Moros, die auch nicht zu stoppen waren, wenn man ein komplettes Magazin 38er Munition auf sie abschoss. Diese Moros wurden „Juramentado" (Amokläufer) genannt. Die Erfahrungen mit den phil. Juramentados führtezur Entwicklung einer Mann-stoppenden Munition, dem Colt Kaliber 45.

 

Die Beziehungen der Filipinos und Amerikaner änderte sich 1941. 10 Stunden nach dem Angriff auf Pearl Harbor, überrannten die Japaner Pearl Harbor und die Philippinen. Daraufhin kämpften die Filipinos und US-Amerikaner Seite an Seite im Dschungel gegen die Japaner. Die amerikanischen Truppe, unter General Mac Arthur, richteten zwei Infantrie Regimente ein, die mit Filipinos aus Amerika und den Philippinen besetzt war.Die Regimente hießen „Laging una" und „Sulung" und waren die Speerspitze der amerikanischen Truppen auf dem Weg durch den phil. Dschungel. Ihr Schlachtruf lautete „Bahala na" (komme was da wolle) und sie erlangten Berühmtheit für ihre Tapferkeit und effektive Handhabung von Messer und Machete. Ihre Patrouillen bewegten sich in einer Dreiecksformation durch den Dschungel, an der Spitze der beste der drei Kämpfer. Seine Aufgabe war es Angreifer abzuwehren und zu verwunden, während die folgenden zwei Kämpfer den bereits verletzten Gegner ganz ausschalteten. Die Kämpfer an der Spitze dieser Spezial-Einheiten waren erfahrene Kali-, Eskrima-, Arnis-Kämpfer, die sich mit ihren Bolo-Macheten den Weg durch den Dschungel bahnten und oftmals mit eben jener Waffe gegen die japanischen Soldaten kämpften.

 

1946, nach dem Ende des 2. Weltkrieges, erklärten die Philippinen ihre Unabhängigkeit. Dieses Ereignis hatte auch enorme Auswirkungen auf die philippinischen Kampfkünste. Bis zu diesem Tage sind die Künste nur in „geschlossenen", d.h. nicht öffentlichen, Schulen oder Familienverbünden gelehrt worden. Nun gewannen die Künste Kali, Eskrima oder Arnis an öffentlicher Popularität und Interesse. Lehrer schlossen sich zusammen,eröffneten Schulen und veranstalteten Wettkämpfe mit anderen Schulen.

 

1965 wurde Ferdinand E. Marcos zum Präsidenten der Philippinen gewählt. 1972 stellte er das Land unter Kriegsrecht und regierte es als militärischer Diktator. Erst 1989 wurden die Philippinen eine demokratische Republik mit öffentlichen Wahlen. Ghandis Beispiel folgend ging die Macht des Finanz- und Geschäftsbereiches langsam auf das Volk über.